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Wird Fax noch genutzt? Warum Deutschland nicht vom Faxgerät loskommt

Wird Fax noch genutzt? In Deutschland ja: Bundestag, mehr als 1.400 Faxgeräte in Baden-Württemberg, DSGVO-Neubewertung und e-Rezept zeigen, wo das Fax bleibt. Plus: wie Sie heute eines online senden.

Als die Landesregierung von Baden-Württemberg 2023 gefragt wurde, wie viele Faxgeräte ihre Ministerien noch betreiben, lautete die Antwort: mehr als 1.400. Und sie sollen vorerst bleiben. Im selben Jahr begann der Bundestag, seine Faxleitungen abzuschalten. Ende Dezember 2023 verkündete Bayern den "Fax-Bann" in der Staatsverwaltung und halbierte den Bestand binnen weniger Monate. Bundestag und zwei Bundesländer, drei Geschwindigkeiten, ein Befund: das Fax verschwindet in Deutschland nicht von selbst.

Drei Fragen ergeben sich daraus: ob und wo Fax in Deutschland heute noch genutzt wird, was die DSGVO am Faxen verändert hat und warum die Ablösung trotz e-Rezept so lange dauert. Am Ende: was Sie tun können, wenn Sie heute ein Fax verschicken müssen.

Behörden und Verwaltung: das Fax bleibt länger, als alle gedacht haben

Faxgeräte halten sich vor allem dort, wo Akten, Unterschriften und Zustellnachweise eine zentrale Rolle spielen. Das ist in Deutschland fast die gesamte öffentliche Verwaltung.

Bundestag. Die Verwaltung des Deutschen Bundestages hat 2023 damit begonnen, ihre Faxgeräte abzuschalten. Bis dahin gehörte das Fax zum festen Inventar vieler Abgeordneten- und Fachbüros, vor allem in der Kommunikation mit Wahlkreisbüros, Behörden und Verbänden. Die Umstellung läuft parallel zum Aufbau digitaler Workflows.

Baden-Württemberg. Auf eine Landtagsanfrage Ende 2023 antwortete das Land, dass in den Ministerien mehr als 1.400 Faxgeräte betrieben werden, allein 568 im Innenministerium und 585 im Justizministerium. Eine pauschale Abschaltung sei nicht geplant. Begründet wurde das mit der Rechtssicherheit der Zustellung, der Ausfallsicherheit der Geräte und mit eingespielten Abläufen zu Polizei, Gerichten und Kommunen.

Bayern. Ende Dezember 2023 kündigte der Freistaat unter Digitalminister Fabian Mehring den "Fax-Bann" in der Staatsverwaltung an. Die Zahl der Faxgeräte sank zwischen Dezember 2023 und August 2024 von 3.766 auf 1.869, also etwa eine Halbierung in rund acht Monaten. Einen festen Stichtag für das vollständige Ende gibt es nicht, das Ziel ist die weitgehende Volldigitalisierung der internen Verwaltungskommunikation.

Was diese Beispiele zeigen: jede Verwaltung wägt für sich ab. Und solange Gerichte, Behörden und Kammern noch Faxnummern annehmen, fällt der Ausstieg an einer einzelnen Stelle schwer. Das System hält sich durch sich selbst.

DSGVO: Fax verlor seinen Sonderstatus

Lange galt Fax als sichere Übermittlung personenbezogener Daten im Sinne der Datenschutzregeln. Diese Annahme stammt aus der Zeit, in der Faxe wirklich über klassische Telefonleitungen liefen, von Punkt zu Punkt, ohne Zwischenspeicherung.

2021 hat die Datenschutzkonferenz (DSK) klargestellt, dass diese Annahme nicht mehr gilt. Die DSK ist die gemeinsame Konferenz der unabhängigen Datenschutzaufsichtsbehörden des Bundes und der Länder. Moderne Faxe werden meist über VoIP übertragen, also wie E-Mails über das Internet. Sie können auf Server-Faxen landen, in unverschlüsselten Mail-Postfächern oder bei falschen Empfängern, wenn eine Faxnummer kurzfristig umgeleitet wurde.

Die Folgen für Verantwortliche:

  • Besondere Kategorien personenbezogener Daten, etwa Gesundheitsdaten oder Angaben zu Sozialleistungen, sollen nicht per Fax übermittelt werden, wenn andere geeignete Verfahren zur Verfügung stehen.
  • Wer weiter faxt, muss zusätzlich absichern: die Empfangsnummer bestätigen, den Eingang kontrollieren, die Zuständigkeit am Zielgerät klären, im Zweifel zurückrufen.
  • Fax gilt im Datenschutz nicht mehr automatisch als sicherer Kanal.

In der Praxis heißt das: Arztpraxen, Anwaltskanzleien und Behörden prüfen ihre Fax-Workflows. Manche stellen um. Andere dokumentieren ihre Schutzmaßnahmen und faxen weiter, weil der Empfänger keinen anderen Kanal akzeptiert. Wir haben die Frage, ob Fax sicherer ist als E-Mail, an anderer Stelle ausführlicher behandelt.

e-Rezept und Gesundheitswesen: wo das Fax langsam verschwindet

Den deutlichsten Ablösungsschritt zeigt das Gesundheitswesen. Seit dem 1. Januar 2024 ist das e-Rezept in der gesetzlichen Krankenversicherung verbindlich. Ärztinnen und Ärzte stellen Verordnungen elektronisch aus, Apotheken empfangen sie über die Telematikinfrastruktur. Damit fällt einer der häufigsten klassischen Fax-Wege weg, nämlich die Bestellung zwischen Praxis und Apotheke.

Parallel laufen weitere Bausteine. Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz eAU, ist seit 2023 für gesetzlich Versicherte verpflichtend. Die elektronische Patientenakte wird seit Januar 2025 schrittweise als Opt-out für alle Versicherten aufgebaut. Jeder einzelne Baustein nimmt dem Fax ein Stück Arbeit ab.

Trotzdem bleibt Fax im Alltag spürbar. Krankenhäuser kommunizieren mit niedergelassenen Praxen weiter per Fax, weil der Anschluss an die Telematik noch nicht überall ausreicht. Pflegedienste schicken Anträge an Krankenkassen per Fax. Im Übergang läuft beides nebeneinander, oft im selben Vorgang.

Damit ist die Frage "Wird Fax noch genutzt?" in Deutschland klar zu beantworten: ja, weil die Ablösung zwar läuft, aber nicht überall gleich schnell. Solange ein Empfänger im Prozess "bitte per Fax" sagt, hängt der ganze Vorgang am Fax.

Was Sie tun können, wenn Sie heute ein Fax verschicken müssen

Privat fragen Sie sich vermutlich nicht, wie der Bundestag faxt. Sondern: das Sozialamt, der Anwalt oder die Krankenkasse möchte eine Faxnummer benutzen, und Sie haben kein Faxgerät mehr zu Hause.

Zwei Wege sind realistisch:

  • Copyshop oder Druckerei. Funktioniert, kostet aber Zeit. Hin- und Rückweg, Öffnungszeiten, das Dokument vorab ausdrucken oder auf einem USB-Stick mitbringen.
  • Online-Fax. Sie senden direkt vom Computer oder vom Smartphone, ohne eigenes Gerät und ohne Vertrag. Geeignet, wenn Sie ein einzelnes Fax verschicken müssen und das Dokument bereits als PDF vorliegt.

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Die Frage "Wird Fax noch genutzt?" bleibt in Deutschland auf absehbare Zeit mit "Ja" zu beantworten. Wenn dann ein Fax verlangt wird, lohnt sich ein Weg, der ohne eigenes Faxgerät und ohne Umweg auskommt.

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